# Bulimie-Lernen

- Link: https://www.kuechenserver.org/2006/03/31/bulimie-lernen/
- Published: 2006-03-31T08:57:51+02:00
- Author: Christian Krakau-Louis

Nein, Ihr braucht keine Angst zu haben; ich habe mich keinem Crashkurs zu möglichst
schnellen Entschwürung unterzogen und ich bin auch kein Anhänger dieses neuen sehr
kranken Internet-„Körperkults“ namens [Pro-Ana](http://de.wikipedia.org/wiki/Pro-Ana),
der in der Neon beschrieben wurde und bei dem Magersucht und Bulimie als Kick dargestellt
werden [Falls Ihr übrigens aus unerfindlichen Gründen auf Basis von Google und diesem
Begriff auf diesen Weblogeintrag gestoßen seid: schaut Euch bitte auch mal [magersucht-online.de](http://www.magersucht-online.de/)
an].

Vielmehr beschreibt Bulimie-Lernen die hohe Kunst, ein Studium ohne die Aufnahmen
von unnötigem Wissen zu bestehen. Man führt dem Körper in größeren Mengen kurz vor
der Prüfung Wissen zu, um es dann direkt nach der Prüfung wieder aus dem Körper 
herauszubefördern, ohne ihn mit dem Verdauen dieses Wissens allzu sehr zu belasten.

Damit man diese Geschichte erfolgreich anwenden kann, muß man jedoch ein paar Dinge
beachten. Allgemein helfen diese Tips auch dabei, erfolgreich durchs Studium zu 
kommen:

– Um die [Work-Life-Balance](https://www.kuechenserver.org/2006/03/29/work-life-balance/)
nicht zu gefährden ist es wichtig, möglichst wenig Vorlesungen innerhalb des Semesters
zu besuchen. Das würde auch den Plan des Bulimie-Lernens torpedieren, da Vorlesungen
nur zu einem schalen Gefühl von Semiverständnis führen und den Wunsch der Semi- 
Elimination nähren

– Möglichst Vorlesungsmitschriften (natürlich die von Mitstudierenden) zum Lernen
verwenden. Möglichst keine anderen Quellen verwenden, das ist a) zu aufwändig und
führt b) nur dazu, dass man sich wirklich intensiv mit dem Stoff beschäftigt.

– Man muß nicht verstehen, was man da liest, man muß es nur perfekt nachbrabbeln
können. Eine rein reproduzierende Arbeit ist für den Prüfer auch viel besser zu 
bewerten und für das Gehirn viel weniger belastend.

– Ganz begabte Studierende nutzen die Primärquelle des Profs selbst. Merke: auch
er wird sein Wissen irgendwo abgegriffen haben und als alter Uni-Hase versteht er
sich auch auf die Kunst des Bulimie-Lernens.
 Wenig Dinge führen also zu einem größeren
Erfolg, als wenn man aus dem einzigen Buch zitiert, dass der Prof selbst über das
Thema auswendig gelernt hat. Ein Zugriff auf die Leihhistorie des betreffenden Profs
kann hier Wunder wirken – und der Job als Studentische Hilfskraft in der Bibliothek
wird unter diesem Gesichtspunkt auch viel attraktiver.

– Direkt nach der Prüfung ist es dann wichtig, das Wissen möglichst schnell aus 
dem Körper heraus zu befördern. Empirische Untersuchungen einer Forschergruppe des
Fachbereichs Informatik an der FH Bonn-Rhein-Sieg haben ergeben, dass sich hierzu
Grillen ideal eignet.
 Allerdings muss man hier aufpassen: eine nähere Beschäftigung
mit der Materie Grillen läßt sich dadurch leider nicht ganz ausschließen. Es ist
also mit Spätfolgen in Form von Grillkenntnissen und -fähigkeiten zu rechnen. Der
Konsum von gekühlten Getränken wie Hopfenkaltschale oder Club Mate (die übrigens
alkoholfrei ist – ist immer noch nicht jedem Prof bekannt) unterstützen diesen Prozess.

Moral von der Geschicht‘ ist bei erfolgreicher Anwendung der oben genannten Tips:
„
Das Einzige, was ich in meinem Studium wirklich gelernt und perfektioniert habe 
ist Grillen“.

[Regen und Meer – Juli; kurz hinter Bremen]

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