# Steuererklärung mit ChatGPT – oder: Mein lukrativstes Hobby macht jetzt Nachtschicht

- Link: https://www.kuechenserver.org/2026/10/19/steuererklaerung-chatgpt-wiso/
- Published: 2026-10-19T09:00:00+02:00
- Author: Christian Krakau-Louis

Vor sechzehn Jahren habe ich hier unter [„Taxes HowTo – Christian style“](https://www.kuechenserver.org/2010/09/11/taxes-howto-christian-style/)
aufgeschrieben, wie ich meine Steuererklärung mache. Hauptsächlich, damit ich im
Jahr darauf noch weiß, welche Formulare ich an welches Finanzamt schicken muss. 
Meine Firma saß damals in Leverkusen, ich wohnte in Hamburg, und auch eine Firma,
die gerade praktisch nichts tat, konnte erstaunlich viel Papier produzieren.

Inzwischen sitzt die Firma ebenfalls in Hamburg. Das damalige Problem ist also gelöst.
Ich bin von t@x bei WISO Steuer gelandet, die Unterlagen sind weitgehend digital,
und man könnte nun vermuten, dass das alles ein bisschen einfacher geworden ist.

Nun.

## Andere Leute sammeln Briefmarken

Ich optimiere meine Steuererklärung. Durchaus mit einer gewissen Begeisterung. Wenn
am Ende eine fünfstellige Rückzahlung herauskommt, rechne ich ausgesprochen gern
aus, was das jetzt für ein Stundenlohn war. Das ist einer der befriedigenderen Momente
des Jahres.

Natürlich habe ich das Geld vorher selbst eingezahlt. Das Finanzamt überweist mir
keine Prämie für besonders schön ausgefüllte Anlagen. Für meine persönliche Hobbybilanz
rechne ich trotzdem gern so. Andere Hobbies kosten schließlich vor allem Geld.

Leider kostet dieses hier auch Zeit. Mehrere Wochenenden, um genau zu sein. Bei 
mir kommen vier Einkunftsarten zusammen: mein Gewerbe, der Angestelltenjob, Vermietung
und Kapitalvermögen. Das ist dann irgendwann mehr als Lohnsteuerbescheinigung übernehmen,
Entfernung zur Arbeit eintragen und auf „Fertig“ klicken.

Und als wir das mit der Firma in Hamburg endlich geografisch vereinfacht hatten,
fiel uns wieder ein, dass es in der Familie noch ein Stück Wald gibt. In Boverath
in der Eifel. Der gehört meiner Mutter, die Land- und Forstwirtschaft landet also
in ihrer Erklärung, nicht in meiner. Das alte Spiel mit dem Wohnort hier und der
Einkunftsquelle dort findet damit trotzdem weiter statt. Es hat nur innerhalb der
Familie den Arbeitsplatz gewechselt.

Aber der Wald ist eigentlich eine andere Geschichte. Steuern schaffen es ja zuverlässig,
auch Geschichten miteinander zu verbinden, die man selbst gar nicht unbedingt zusammenbringen
wollte.

## „PayPal“ ist keine besonders hilfreiche Artikelbeschreibung

Den größten Teil meiner Steuerwochenenden verbringe ich allerdings gar nicht damit,
über irgendwelchen besonders exotischen Steuerfragen zu brüten. Ich suche Dinge.

Die Belege für potenzielle Werbungskosten und Betriebsausgaben verteilen sich über
Kreditkartenabrechnungen, Girokonto, Inbox, Dropbox und Google Drive. Irgendwo liegt
eine Rechnung. Irgendwo anders die dazugehörige Zahlung. Bei Amazon gibt es eine
Bestellhistorie, durch die man sich noch einmal durchklicken darf. Und auf dem Kontoauszug
steht „PayPal“. Vielen Dank, das grenzt es natürlich erheblich ein.

War das jetzt die Software? Ein Adapter? Ein Geschenk? Warum passt der Betrag nicht
zu der Rechnung, die ich gerade gefunden habe? Ach, da waren mehrere Dinge in einer
Bestellung. Und eines ging zurück. Schön.

Erschwerend kommt hinzu, dass ich IT beruflich und privat ziemlich ausgiebig lebe.
Ein Gerät kann im Kundenlabor landen und am Wochenende zu Hause für ein Projekt 
gebraucht werden. Eine Software hilft bei der Arbeit, bei der Firma und bei irgendeiner
Idee, die ich eigentlich nur mal eben ausprobieren wollte. Kaufen ist einfach. Ein
Jahr später noch sauber auseinanderzuhalten, wofür man etwas wie viel verwendet 
hat, ist die weniger unterhaltsame Hälfte.

Damit ist ein gefundener Beleg noch lange kein fertiger Eintrag. Erst einmal muss
ich zuordnen, was privat ist, was zum Job gehört und was in die Firma. Und bei gemischter
Nutzung nachvollziehbar auseinanderhalten, welcher Anteil wohin gehört. Dass ich
einen Kauf technisch ausgesprochen sinnvoll fand, ist als steuerliche Einordnung
leider noch etwas dünn.

## Könnte das nicht jemand anders machen?

Ja, darüber habe ich inzwischen ernsthaft nachgedacht. Auch ein lukratives Hobby
darf man irgendwann abgeben. Gerade dann, wenn es regelmäßig ganze Wochenenden beansprucht,
an denen man auch andere schöne Dinge tun könnte.

Nur verschwindet der vorbereitende Teil dadurch nicht automatisch. Auch ein Steuerberater
kann aus einer PayPal-Buchung nicht zuverlässig herauslesen, ob ich gerade ein Lab
für ein Kundenproblem gebaut oder privat neue Spielzeuge gekauft habe. Die Unterlagen
müssen zusammengetragen werden. Die Zusammenhänge müssen irgendwoher kommen. Und
erklären, wofür ich das ganze Zeug tatsächlich benutzt habe, muss am Ende doch wieder
ich.

Ich hatte also weniger ein Problem mit WISO als mit dem Weg bis zu einem sinnvoll
ausgefüllten WISO.

Dieses Jahr habe ich deshalb etwas anderes ausprobiert.

## Nachtschicht für ChatGPT

Ich habe ChatGPT Work mitarbeiten lassen. Mit Zugriff auf die dafür freigegebenen
Kontoauszüge, Dropbox, Google Drive, meine Inbox und die übrigen Unterlagen. Belege
suchen, Zahlungen und Rechnungen zusammenbringen, die Informationen strukturieren–
und anschließend WISO für mich bedienen.

Das war für mich der interessante Schritt: ChatGPT hat nicht nur daneben gesessen
und erklärt, was man theoretisch irgendwo eintragen könnte. Es hat WISO tatsächlich
ferngesteuert und an der Erklärung gearbeitet.

Ganz ohne mich geht das natürlich weiterhin nicht. Gerade die Frage, warum ich etwas
gekauft habe und wie ich es nutze, beantwortet sich nicht allein durch einen hübsch
formatierten Rechnungsbetrag. Da muss ich erklären, korrigieren und gelegentlich
in die richtige Richtung schubsen. Die fertige Erklärung muss ich mir ebenfalls 
noch anschauen.

Aber es macht einen erheblichen Unterschied, ob ich selbst stundenlang Belege zusammensuche
und Felder befülle oder nach einer Nacht auf den Zwischenstand schaue, ein paar 
offene Punkte kläre und die nächste Nachtschicht vorbereite.

Früher war der Rechner bereit und wartete darauf, dass ich am Wochenende endlich
Zeit für die Steuer hatte. Jetzt kann er zwischendurch schon einmal arbeiten. Ich
finde, das ist eine ausgesprochen faire Weiterentwicklung unserer Beziehung.

Und wenn am Ende in WISO wieder eine Erstattung in der gewohnten Größenordnung steht–
zunächst natürlich als Berechnung, nicht als bereits eingegangene Überweisung –,
ich dafür aber deutlich weniger eigene Wochenendstunden versenkt habe, gefällt mir
das schon sehr.

Hobby hin oder her. Man muss ja nicht jede einzelne Quittung persönlich umdrehen,
um sich hinterher über das Ergebnis freuen zu dürfen. Mein ausgerechneter Stundenlohn
wird durch weniger eigene Stunden übrigens auch nicht schlechter. Ich habe das sicherheitshalber
kurz nachgerechnet.

## Und wer hat jetzt bei der Erklärung geholfen?

Eine Frage bleibt allerdings: Muss ich ChatGPT eigentlich bei der Mitwirkung an 
meiner Steuererklärung angeben? Und falls ja, unter welchem Namen? „Der Kollege 
aus der Cloud“ klingt vermutlich nicht hinreichend amtlich.

Noch schöner wird die Frage, wo das Abo selbst hingehört. Zum beruflichen Anteil
der Steuererklärung? Als Betriebsausgabe zur Unterstützung meiner Firma? Zur Vorbereitung
des [Pubquiz](https://www.kuechenserver.org/2026/05/16/wie-man-gute-pubquizfragen-baut-oder-im-zweifel-kanada/)?
Zu meinem Angestelltenjob, weil ChatGPT mir beim Aufbau und bei der Konfiguration
von Lab-Umgebungen für Kundenprobleme hilft? Oder anteilig zu all dem und außerdem
noch zu Dingen, die nun wirklich privat sind?

Aber das wird ChatGPT sicherlich ganz gut mit sich selbst ausmachen können.

Bei der Steuererklärung im nächsten Jahr.

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