Es gibt Telefonnummern, deren wichtigste Eigenschaft ist, dass sie niemandem gehören. Und weil wir in Deutschland sind, gibt es dafür selbstverständlich eine amtliche Liste.
Ich finde das ziemlich großartig.
Drama Numbers, auch Filmrufnummern genannt, sind für erfundene Kontakte in Medien gedacht. Die Bundesnetzagentur führt dafür reservierte deutsche Festnetz- und Mobilfunknummern auf. Wer also für einen Krimi, ein Buch oder einen Screenshot eine glaubwürdige Telefonnummer braucht, muss sich keine ausdenken, die womöglich bei einem ziemlich realen und zunehmend genervten Menschen klingelt.
Und natürlich gibt es auch Software, die solche Nummern erkennt. Dazu gleich mehr. Erst einmal die Liste, wegen der vermutlich einige von Euch hier gelandet sind.
Drama Numbers in Deutschland: die vollständige Liste
Grundlage ist die Mitteilung 148/2021 der Bundesnetzagentur vom 14. April 2021. Die Behörde verlinkt diese Liste auch auf ihrer aktuellen Nummerierungsseite. Abgeglichen am 3. Oktober 2026.
Hier stehen sämtliche darin genannten Blöcke und Einzelnummern. Bei Bereichen gehören Anfang und Ende jeweils dazu.
Festnetz: Berlin, Frankfurt, Hamburg, Köln und München
| Ortsnetz | Erste Nummer | Letzte Nummer | Anzahl |
|---|---|---|---|
| Berlin | 030 23125000 | 030 23125999 | 1.000 |
| Frankfurt am Main | 069 90009000 | 069 90009999 | 1.000 |
| Hamburg | 040 66969000 | 040 66969999 | 1.000 |
| Köln | 0221 4710000 | 0221 4710999 | 1.000 |
| München | 089 99998000 | 089 99998999 | 1.000 |
Mobilfunk: reservierte Handynummern
| Nummer oder Bereich | Anzahl |
|---|---|
| 0152 28817386 | 1 |
| 0152 28895456 | 1 |
| 0152 54599371 | 1 |
| 0171 3920000 bis 0171 3920099 | 100 |
| 0172 9925904 | 1 |
| 0172 9968532 | 1 |
| 0172 9973185 | 1 |
| 0172 9973186 | 1 |
| 0172 9980752 | 1 |
| 0174 9091317 | 1 |
| 0174 9464308 | 1 |
| 0176 04069000 bis 0176 04069099 | 100 |
Das ergibt 5.000 Festnetznummern und 210 Mobilfunknummern, insgesamt 5.210 Drama Numbers. Die Mobilfunknummern wurden für diesen Zweck von Netzbetreibern bereitgestellt.
Was darf man mit diesen Telefonnummern machen?
Die genannten Nummern dürfen laut Bundesnetzagentur ohne individuelle Genehmigung in Medien erscheinen: sichtbar, gedruckt oder gesprochen. Die Behörde nennt neben Filmen ausdrücklich auch Bücher, Broschüren, Dokumentationen und Lehrmaterialien. Der Sinn dahinter: Die Nummern sind dauerhaft keinem Teilnehmer zugeteilt und sollen neugierige Anrufe bei Unbeteiligten verhindern.
Für mich ist das auch eine schöne Lösung für technische Dokumentation: ein Beispielkontakt im Handbuch, eine Telefonnummer auf einer Demo-Folie oder ein Screenshot einer fiktiven Kundenkartei. Solche Kleinigkeiten werden schließlich erstaunlich schnell öffentlich. Irgendjemand kopiert eine Folie, jemand anders übernimmt das Beispiel, und plötzlich hat die vermeintlich harmlose Fantasienummer eine Karriere.
Eine zufällig erfundene Ziffernfolge ist dafür keine gute Grundlage. Aus „wird schon niemandem gehören“ wird durch häufiges Wiederholen keine belastbare Eigenschaft.
Beispielnummern zum Kopieren
Eine Berliner Filmrufnummer ist 030 23125000, international geschrieben +49 30 23125000. Für ein Mobilfunkbeispiel eignet sich etwa 0152 28817386, international +49 152 28817386.
Bei der internationalen Schreibweise entfällt die erste Null der deutschen Vorwahl. Die Nummern hier sind Beispiele für die Darstellung in Medien; sie sind kein Dienst zum Empfangen von Anrufen oder SMS.
Drama Numbers erkennen: die Java-Bibliothek Telephone
Der für mich besonders schöne Nerd-Nachschlag: Jens Kaisers Java-Bibliothek Telephone kennt eine ausdrückliche Prüfung für deutsche Drama Numbers. In seinem Beitrag „Deutsche Drama Numbers validieren“ beschreibt er dafür die Annotation @GermanDramaNumber und die Methode GermanDramaNumbers.isValid(...).
Wer in einem deutschen Kontaktformular keine Filmrufnummer akzeptieren möchte, kann die Validierung beispielsweise so ausdrücken:
@GermanDestinationCode
@GermanDramaNumber(allowed = false)
InternationalPhoneNumber telefonnummer;
Das ist ein Ausschnitt für die Bean Validation der Bibliothek, kein vollständiges Java-Programm. Ohne allowed = false prüft die Annotation umgekehrt positiv auf eine Drama Number. Bei nationalen Nummern muss die Anwendung selbst sicherstellen, dass Deutschland gemeint ist. Die im Autorenbeitrag gezeigte Liste bildet die 5.210 Nummern kompakt über Einzelnummern und Nummernblöcke ab.
Für andere Sprachen lässt sich dasselbe Prinzip verwenden: Eingaben zunächst sauber normalisieren und anschließend mit den offiziellen Blöcken und Einzelnummern vergleichen. Ein bloßes „beginnt mit 0171“ wäre offensichtlich zu großzügig. Länge, vollständiger Bereich und Länderkennung gehören zur Prüfung dazu.
„Gültig“ heißt noch nicht „erreichbar“
Allgemeine Bibliotheken wie Googles libphonenumber helfen beim Einlesen, Formatieren und Prüfen von Rufnummern. Ihre Gültigkeitsprüfung sollte man aber nicht mit einem Nachweis für einen tatsächlich erreichbaren Anschluss verwechseln. Darauf weist das Projekt in seiner FAQ ausdrücklich hin.
Für eine Anwendung sind deshalb drei Fragen zu trennen: Passt die Nummer zum Nummernplan? Steht sie auf der Liste reservierter Filmrufnummern? Und kann die betreffende Person sie tatsächlich nutzen? Die Drama-Prüfung beantwortet nur die zweite Frage. Sie ersetzt keine Bestätigung der Erreichbarkeit, wenn diese für den Anwendungsfall erforderlich ist.
Umgekehrt braucht eine Demo natürlich keinen SMS-Versand an ihre Beispielnummern. Dafür würde ich den Versanddienst im Test ersetzen, statt echte Nachrichten auf die Reise zu schicken.
Kleine Liste, erfreulich großes Detail
Ich mag solche Fundstücke. Irgendjemand hat sich überlegt, dass eine beiläufig eingeblendete Telefonnummer für einen völlig unbeteiligten Menschen ziemlich lästig werden kann. Die Lösung passt auf eine Seite und funktioniert für den Fernsehkrimi ebenso wie für ein Softwarehandbuch.
Wenn ich das nächste Mal eine Beispielnummer brauche, muss ich also nicht kreativ werden. Ich kann einfach in eine amtliche Liste schauen. So angenehm kann Bürokratie sein.
Heiter weiter!
C.
Recherche: 3. Oktober 2026. Maßgeblich bleibt die jeweils von der Bundesnetzagentur veröffentlichte Liste. Titelbild: KI-generierte Illustration eines Filmsets mit einer reservierten Beispielnummer.

