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Illustration einer seitlich liegenden Tangomat-ähnlichen Uhr mit weißem Zifferblatt, blauen Zeigern und kleiner Sekunde bei sechs neben Zeitwaage und Entmagnetisierer.

Fünf Minuten pro Woche – oder: Warum meine Nomos plötzlich vorging

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Ich trage eine wunderbare mechanische Nomos. Eine Uhr, an der ich viel Freude habe – bis sie plötzlich der Meinung war, dass eine Woche ruhig fünf Minuten kürzer sein könnte. Ungefähr fünf Minuten Vorgang pro Woche. Das sind, einmal kurz nachgerechnet, knapp 43 Sekunden am Tag. Da reden wir nicht mehr über die gelegentliche Korrektur beim Stellen der Uhr, sondern über etwas, dem ich gern auf den Grund gehen wollte.

Diese Nomos ist außerdem nicht irgendeine Uhr. Ich habe sie mir von meinem ersten Vertriebsbonus bei Astaro gekauft. Seitdem ist sie für mich die „Jeden Tag, und ich erfreue mich jeden Tag dran“-Uhr. Das klingt ein bisschen nach einem Satz, den man sich beim Kauf eines viel zu teuren Gegenstands zur Beruhigung sagt. In diesem Fall stimmt er aber tatsächlich.

Die Apple Watch liegt derweil gelangweilt auf dem Schreibtisch und schaut vermutlich neidisch zur Nomos hinüber. Nicht, weil sie nichts könnte. Im Gegenteil. Aber die Nomos trage ich jeden Tag am Handgelenk, und die Apple Watch wartet seitdem auf ihren großen Auftritt. Der kommt offenbar weiterhin nicht.

Der naheliegende Weg wäre natürlich der zum Uhrmacher oder Vertragshändler gewesen. Uhr hinbringen, Fehler beschreiben, auf eine Diagnose warten. Aber Ihr kennt das vielleicht: Bevor man ein technisches Problem aus der Hand gibt, möchte man wenigstens verstanden haben, was da eigentlich passiert. Läuft das Werk grundsätzlich ordentlich und nur zu schnell? Oder ist da wirklich etwas im Argen?

Und so wurde aus einer vorgehenden Armbanduhr ein kleines Messprojekt. Mit einem etwas überqualifizierten Mikrofon, Open-Source-Software und zwei ausgesprochen unspektakulären Geräten.

Das Mikrofon war schon da. Die Idee leider auch.

Mein erster Ansatz war ziemlich improvisiert. Ich hatte bereits ein Shure SM7B. Eine mechanische Uhr tickt. Ein Mikrofon nimmt Geräusche auf. Sollte sich doch irgendwie zusammenbringen lassen, oder?

Tatsächlich funktionierte das grundsätzlich. Nur nahm das Mikrofon bei mir eben nicht ausschließlich das auf, was ich von der Uhr hören wollte. Die Nebengeräusche waren für eine vernünftige Auswertung schlicht zu viel. Ein gutes Mikrofon zu besitzen heißt offenbar noch nicht, für jede denkbare Messaufgabe das richtige Mikrofon zu besitzen. Wieder etwas gelernt.

Also doch ein Gerät für genau diesen Zweck. Ich habe mir diese günstige USB-Zeitwaage bestellt. Der Name klingt ein bisschen nach einem Gerät, mit dem man feststellen könnte, wo die letzten drei Stunden geblieben sind. Tatsächlich hilft sie dabei, einer mechanischen Uhr sehr genau beim Ticken zuzuhören.

Aus „geht irgendwie vor“ werden Messwerte

Die Zeitwaage habe ich unter Windows angeschlossen, die Uhr eingespannt und die Software gestartet. Das funktionierte auf Anhieb. Den beiliegenden USB-Stick beziehungsweise die mitgelieferte Software habe ich dabei ignoriert. Stattdessen kam „tg – the open source timegrapher“ zum Einsatz, ein Open-Source-Projekt auf GitHub.

Wenige Minuten später hatte ich saubere, gut auswertbare Messwerte vor mir. Gang, Amplitude, Abfallfehler: Begriffe, mit denen man sich beim gelegentlichen Blick aufs Handgelenk eher selten beschäftigt. Plötzlich saß ich also vor dem Rechner und betrachtete das Innenleben meiner Uhr indirekt über das, was es akustisch von sich gab. Eine ausgesprochen schöne Verbindung aus Mechanik und Rechnernerdigkeit.

Die Werte wirkten grundsätzlich plausibel, der starke Vorgang war allerdings klar zu erkennen. Damit war noch keine komplette Diagnose gestellt. Eine hübsche Messkurve ist schließlich kein Zertifikat dafür, dass jedes einzelne Bauteil gesund ist. Aber sie brachte mich bei meiner eigentlichen Frage weiter: Das Werk wirkte nicht grundsätzlich krank, sondern vor allem deutlich zu schnell.

Vielleicht war die Uhr einfach magnetisiert?

Genau das war mein Verdacht. Nicht „Die Software hat Magnetismus gemessen“, sondern: Der beobachtete Vorgang und das ansonsten unauffällig wirkende Bild passten für mich zu dieser Erklärung. Das ist ein Unterschied. Ich wollte den Verdacht prüfen, nicht aus ein paar Zahlen gleich eine abgeschlossene Uhrmacherlehre ableiten.

Deshalb kam als zweites Gerät ein kleiner Entmagnetisierer dazu. Uhr entsprechend behandelt, anschließend erneut überprüft – und das eigentliche Problem war erledigt. Nach dem ganzen Aufbau zum Messen war die Lösung fast schon unverschämt unspektakulär.

Das Befriedigende daran war für mich die Reihenfolge: erst beobachten, dann eine Vermutung entwickeln, etwas gezielt ausprobieren und anschließend wieder nachsehen. Nicht einfach an irgendetwas drehen und hoffen, dass die Uhr danach besser läuft. Die Zeitwaage half beim Eingrenzen; der Entmagnetisierer war in meinem Fall die passende Antwort darauf.

Für weniger als 30 Euro ein Problem und die Neugier bedient

Für beide Geräte zusammen habe ich damals weniger als 30 Euro bezahlt. Dafür konnte ich das Problem selbst eingrenzen und beheben und habe mir in diesem Fall den Weg zum Vertragshändler erspart. Der Preis ist meine damalige Einkaufsrechnung, keine Aussage darüber, was die Geräte heute kosten.

Natürlich würde ich daraus kein allgemeines „Uhr geht falsch? Einfach entmagnetisieren!“ machen. Bei einem tatsächlich defekten Werk ersetzen die beiden Kästchen weder Fachwissen noch eine professionelle Diagnose. Und nur weil mein Versuch erfolgreich war, muss die Ursache bei Eurer Uhr nicht dieselbe sein.

Für meinen konkreten Fall war die Kombination aber genau richtig. Ich habe etwas über meine Uhr gelernt, konnte mit überschaubarem Aufwand einer Vermutung nachgehen und hatte am Ende ein gelöstes Problem. Dafür kann ich mich ziemlich begeistern. Ein neues Werkzeug allein ist ja schon nett. Ein neues Werkzeug, das tatsächlich etwas reparieren hilft, rechtfertigt sich gleich viel eleganter.

Die Nomos darf jedenfalls bleiben. Die fünf zusätzlichen Minuten pro Woche brauche ich nicht.

Titelbild: KI-generierte Illustration mit einer Tangomat-ähnlichen Uhr; keine Fotografie meiner Uhr oder der verlinkten Geräte.

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