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Illustration einer seitlich liegenden Tangomat-ähnlichen Uhr mit weißem Zifferblatt, blauen Zeigern und kleiner Sekunde bei sechs neben Zeitwaage und Entmagnetisierer.

Fünf Minuten pro Woche – oder: Warum meine Nomos plötzlich vorging

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Meine Nomos war plötzlich der Meinung, dass eine Woche ruhig fünf Minuten kürzer sein könnte. Ungefähr fünf Minuten Vorgang pro Woche. Für eine Uhr, die eigentlich nur die Zeit anzeigen soll, ein recht eigenmächtiger Eingriff in meine Terminplanung.

Diese Nomos ist nicht irgendeine Uhr. Ich habe sie mir von meinem ersten Vertriebsbonus bei Astaro gekauft. Seitdem ist sie meine „Jeden Tag, und ich erfreue mich jeden Tag dran“-Uhr. Das klingt ein bisschen nach einem Satz, mit dem man sich einen teuren Kauf schönredet. Stimmt in diesem Fall aber tatsächlich.

Die Apple Watch liegt derweil gelangweilt auf dem Schreibtisch und schielt vermutlich neidisch zur Nomos hinüber. Sie kann deutlich mehr. Die Nomos darf trotzdem jeden Tag mit. Manchmal gewinnt eben die Uhr, bei der man sich einfach freut, wenn man aufs Handgelenk schaut.

Nur wäre es natürlich schön, wenn dann auch ungefähr die richtige Zeit darauf steht.

Die war doch gerade erst zu Hause!

Also erst einmal googeln. Warum geht eine mechanische Uhr plötzlich so stark vor? Dabei tauchte ziemlich schnell eine mögliche Erklärung auf: Magnetisierung. Auch die AI meines Vertrauens hielt das für einen plausiblen Kandidaten. Das Thema ist übrigens so wenig exotisch, dass NOMOS es selbst in den FAQ erklärt.

Und ich dachte: Moment. Die Uhr war doch erst gut anderthalb Jahre zuvor zur großen Revision zu Hause in Glashütte. Allein die Revision hatte 380 Euro gekostet, mit neuem Band und Rückversand lag die Bestellung bei knapp 480 Euro. Einmal gründlich kümmern lassen. Danach sollte das gute Stück doch bitte nicht schon wieder komplett Fratze sein.

Mein nächster Gedanke war trotzdem: Dann gehe ich wohl mal zu Wempe oder einem anderen NOMOS-Konzessionär hier in Hamburg. Und unmittelbar danach meldete sich die innere Buchhaltung. Teure Uhr, teure Diagnose, bestimmt wieder fünfzig oder hundert Euro los, bevor überhaupt jemand etwas gemacht hat.

Das war meine Befürchtung, kein Kostenvoranschlag von Wempe. Ich war ja noch nicht einmal hingegangen. Aber mein Enthusiasmus, erneut Geld auf das Problem zu werfen, hielt sich nach der letzten Revision in Grenzen.

Vielleicht konnte ich ja erst einmal selbst herausfinden, was los war.

Seit wann hat Zeit ein Gewicht?

Bei der Suche begegnete mir zum ersten Mal das Wort „Zeitwaage“. Ich hätte spontan eher ein Gerät erwartet, das mir verrät, wo die letzten drei Stunden geblieben sind. Tatsächlich hört so ein Ding einer mechanischen Uhr beim Ticken zu und errechnet daraus, wie sie läuft.

Dafür gibt es sogar freie Software: „tg – the open source timegrapher“. Und ein Mikrofon hatte ich schon. Ein Shure SM7B. Eine Uhr tickt. Ein Mikrofon nimmt Geräusche auf. Das sollte sich doch zusammenbringen lassen.

Tat es bei mir leider nicht vernünftig. Viel Mikrofon, zu wenig brauchbares Uhrensignal. Ein gutes Mikrofon ist offenbar nicht automatisch das richtige Mikrofon. Schade eigentlich, denn „ich hatte schon alles da“ wäre die eleganteste Einkaufsbegründung gewesen.

Also bestellte ich diese günstige USB-Zeitwaage mit Klemmmikrofon. Entgegen meinem sonst recht treuen Motto „Wer billig kauft, kauft zweimal“. Diesmal wollte ich allerdings auch keine Uhrmacherwerkstatt eröffnen, sondern einer einzigen Uhr zuhören.

Unter Windows angeschlossen, Uhr eingespannt, tg gestartet. Den beiliegenden USB-Stick brauchte ich dafür nicht. Und plötzlich waren da saubere Linien.

Läuft. Nur leider zu schnell.

Ich habe der AI die Diagramme gezeigt und mich durch Begriffe wie Gang, Amplitude und Abfallfehler gearbeitet. Nicht ganz die Beschäftigung, die man erwartet, wenn man morgens feststellt, dass die Uhr falsch geht. Aber Christian ist Christian.

Das interessante Bild war: Das Werk wirkte kräftig und lief gleichmäßig. Je nachdem, wie die Uhr lag, zeigte die kleine Zeitwaage grob eine halbe bis dreiviertel Minute Vorgang pro Tag. Das passte ziemlich gut zu meiner Erfahrung am Handgelenk.

Die Nomos schnurrte also durchaus wie ein Kätzchen. Nur offenbar wie ein Kätzchen, das dringend zum nächsten Termin musste.

Eine günstige Zeitwaage stellt keine vollständige Diagnose, und Magnetismus misst sie schon gar nicht. Aber das Bild passte zum ursprünglichen Verdacht. Es sah jedenfalls nicht nach „alles kaputt, bitte einmal komplett neu“ aus. Das war schon mal eine ausgesprochen angenehme Erkenntnis.

Ein Kästchen später

Also noch einen kleinen Entmagnetisierer bestellt. Uhr entsprechend behandelt, anschließend wieder gemessen – und der starke Vorgang war weg.

Nach all dem Googeln, Grübeln und Kurvenanschauen war die eigentliche Lösung geradezu unverschämt unspektakulär. Ein kleines Kästchen, ein kurzer Vorgang, und plötzlich war dieses „Mist, jetzt schon wieder?“ erledigt.

Dieses Glücksgefühl kennt Ihr vielleicht. Ein Problem, auf das man innerlich schon den nächsten größeren Geldbetrag werfen wollte, löst sich mit überschaubarem Aufwand. Nebenbei hat man etwas verstanden und besitzt jetzt zwei neue Werkzeuge. Für jemanden wie mich eine ziemlich gefährliche Kombination aus Vernunft und Belohnungssystem.

Meine beiden kleinen Helfer kosteten jedenfalls zusammen nur ein paar Zehner. Sie haben mir in diesem Fall den Weg zum Händler erspart. Bei einem tatsächlich defekten Werk würde ich trotzdem zum Uhrmacher gehen. Eine erfolgreiche Bastelrunde ist schließlich noch keine abgeschlossene Ausbildung.

Und nein, seitdem ist die Nomos keine Atomuhr. Sie bleibt eine mechanische Uhr, die ich regelmäßig stellen muss. Aber gelegentlich korrigieren ist etwas anderes als jede Woche fünf Minuten einsammeln.

Die Nomos darf also weiter jeden Tag mit. Die Apple Watch guckt weiterhin beleidigt. Und ich freue mich beim Blick aufs Handgelenk wieder über beides: die Uhr und die Uhrzeit.

Heiter weiter!

C.

Titelbild: KI-generierte Illustration mit einer Tangomat-ähnlichen Uhr; keine Fotografie meiner Uhr oder der verlinkten Geräte.


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