Im Dezember 2010 habe ich hier eine ziemlich wichtige Frage gestellt: Welchen Apple soll ich kaufen, damit das Handgepäck leichter wird?
Also keinen zum Essen. Das hatte ich damals vorsichtshalber schon klargestellt. Es ging um iPad oder MacBook Air, um Gewicht, Akkulaufzeit und die Möglichkeit, unterwegs mehr zu tun, als auf die Ankunft zu warten.
Fast 16 Jahre später kann ich vermelden: Die Geräte sind erheblich besser geworden. Die Ablagen in Verkehrsmitteln haben bei dieser Entwicklung nur bedingt mitgemacht.
Aber der Reihe nach.
Erst das iPad. Dann doch noch das Air.
Ein paar Monate nach dem damaligen Beitrag habe ich mir tatsächlich ein iPad gekauft. Viel länger hatte die Vernunft also nicht durchgehalten.
Und weil man sich zwischen zwei Geräten besonders gut entscheidet, indem man irgendwann beide besitzt, kam noch im selben Jahr ein kleines MacBook Air dazu. Elf Zoll, leicht, hübsch. Genau das Richtige, um unterwegs weniger Zeug mit sich herumzutragen. Zusätzlich zum iPad, versteht sich.
Auf dem lief allerdings schon wenige Wochen später Windows 7.
Das ist vielleicht eine ganz gute Zusammenfassung meines damaligen Verhältnisses zu Apple: Die Hardware fand ich ausgesprochen attraktiv. Beim Betriebssystem hatte ich durchaus noch eigene Vorstellungen. Schönes Aluminium kaufen und dann Windows draufwerfen – konnte man so machen. Habe ich jedenfalls so gemacht.
Als ich bei Akamai anfing und dort ein ThinkPad aus der X-Serie bekam, hatte sich die Frage nach dem kleinen Arbeitsrechner dann erst einmal erledigt. Das MacBook Air habe ich irgendwann an Nachbarn verliehen. So viel zur sorgfältig austarierten langfristigen Geräteplanung.
Wobei die Grundfrage älter ist als das iPad. Beim Walkman ging es hier schon 2007 um tragbare Technik, Musik unterwegs und darum, was man dafür alles mit sich herumschleppt. Die Medien ändern sich. Die Tasche bleibt voll.
Corona, iPad Pro und plötzlich eine Tastaturhülle
In der Corona-Zeit kam dann ein großes iPad Pro dazu. Dazu eine Tastaturhülle, und seitdem reist das Ding mit mir durch die Gegend.
Besonders schön finde ich heute, was ich damals gegen das iPad hatte: „keine Kamera“ und ein „riesiger Rahmen um das Display“. Das liest sich inzwischen ungefähr so zeitgemäß wie die Frage, ob im Hotelzimmer wohl ein LAN-Kabel liegt.
Die Kamera ist längst da, die Rahmen sind schmaler, die Tastatur ist ergänzt. Und aus dem Gerät, auf dem man damals vor allem lesen, Videos ansehen und gelegentlich eine Mail beantworten wollte, ist für mich ein ziemlich brauchbarer Unterwegs-Rechner geworden.
Die Tastaturhülle ist dabei ein kleines Eingeständnis: Ganz ohne Tasten wollte ich dann offenbar doch nicht. 2010 stand die Hardwaretastatur beim MacBook Air übrigens sowohl auf der Pro- als auch auf der Contra-Liste. Wer sich nicht festlegt, kann später immer behaupten, recht gehabt zu haben.
Inzwischen Mac. Trotzdem iPad.
Mittlerweile habe ich den Schritt zum Mac auch beim eigentlichen Arbeiten gemacht. Das MacBook Pro, das ich aktuell beruflich nutze, muss also kein Windows mehr bekommen, damit ich mich damit anfreunde.
Nur hat es weiterhin ein Problem, das sich mit keinem Betriebssystemupdate beheben lässt: Es muss aufgeklappt irgendwo hinpassen.
Zum Beispiel auf den Tisch an einem Bahnsitz in der zweiten Klasse.
Da kann der Rechner noch so leistungsfähig sein. Wenn der Bildschirm ungünstig steht, die Tastatur zu weit nach vorn rutscht und man selbst auch noch irgendwo sitzen möchte, ist das Gesamterlebnis eher mittel. Mein alter Beitrag handelte vor allem von Flugzeugsitzen. Inzwischen hat die Bahn die praktische Fortsetzung übernommen.
Also bleibt das MacBook erstaunlich oft in der Tasche und das iPad kommt raus. Mails, lesen, im Web etwas nachschauen, schreiben, Kleinkram erledigen: Für vieles, was ich unterwegs tatsächlich mache, reicht es mir völlig. Und zwar nicht nur als theoretische Möglichkeit auf einer Apple-Präsentation, sondern auf dieser konkreten Ablage vor diesem konkreten Sitz.
Den großen Rechner habe ich deshalb nicht abgeschafft. Ich muss ihn bloß nicht bei jeder Gelegenheit aufklappen. Das ist ein Unterschied, den ich 2010 vermutlich erst einmal ausführlich in einer Pro-und-Contra-Liste hätte untersuchen müssen.
Erstaunlich selten ein neues iPad
Was ebenfalls anders geworden ist: Ich kaufe die Dinger nicht mehr ständig neu. Gefühlt bewegen sich meine iPad-Zyklen eher in Richtung eines Jahrzehnts als eines jährlichen Produktlaunches. Zwischen dem ersten iPad und dem Pro aus der Corona-Zeit lag jedenfalls eine ganze Menge Leben.
Und das Pro ist nun auch schon einige Jahre dabei. Es kann noch immer die Dinge, für die ich es mitnehme. Damit entfällt ein erstaunlich großer Teil der Argumentation für einen Neukauf – was natürlich ein bisschen unpraktisch ist, wenn man eigentlich gern Technik kauft.
Ich mag neue Geräte weiterhin. Aber „es gibt ein neues“ und „meins muss ersetzt werden“ sind offenbar mit den Jahren zwei unterschiedliche Sätze geworden.
Vielleicht ist das die eigentliche Antwort auf die Frage von damals: Es wurde erst ein iPad, dann zusätzlich ein MacBook Air, zwischendurch wieder ein ThinkPad und irgendwann ein MacBook Pro plus iPad Pro. Eine wunderbar effiziente Lösung für jemanden, der ursprünglich weniger Zeug tragen wollte.
Das Handgepäck ist also nicht zwingend leerer geworden.
Aber wenigstens weiß ich inzwischen, welches Gerät auf den Tisch passt.
Heiter weiter!
C.
Falls Ihr gerade selbst vor der Gerätefrage steht
Mein vorhandenes iPad Pro bleibt erst einmal bei mir. Wer gerade neu sucht, findet im folgenden Heise-Preisvergleich drei aktuelle Kandidaten: das iPad Pro 13 Zoll mit M5 und 256 GB, das dazu passende Logitech Combo Touch für iPad Pro 13 Zoll mit M4 oder M5 mit deutscher Tastatur und das MacBook Air 13 Zoll mit M5, 16 GB Arbeitsspeicher und 512 GB SSD. Das sind aktuelle Kaufalternativen, keine von mir getesteten Nachfolger meiner Reisegeräte.
Bei der Tastaturhülle bitte auf die genaue iPad-Generation achten: Diese Combo-Touch-Version passt nicht auf mein älteres 12,9-Zoll-iPad. Und weil die Hülle einen ausklappbaren Standfuß hat, würde ich vor dem Kauf auch die benötigte Tiefe auf dem Tisch prüfen. Der wird durch eine neue Hülle schließlich nicht größer.
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