FitBit, WiThings, Fitocracy, Quantified Self und der 25(OH)Vitamin-D3-Spiegel. Mit solchen Begriffen habe ich Euch heute vor genau 15 Jahren hier schon einmal zugetextet. „Man wird ja nicht jünger“ hieß der Beitrag damals. Nun. Die These hat einer erstaunlich langen Überprüfung standgehalten.
Ich beschrieb mich als angehenden Gesundheitsnerd, hatte das Laufen entdeckt und fand es bedauerlich, nicht fünf Jahre früher damit angefangen zu haben. Heute habe ich ein WHOOP am Arm, trage zum Vergleich zusätzlich ein Google Fitbit Air und sammle meine Laborwerte seit ungefähr jener Zeit digital. An der Datenlage dürfte es also langsam nicht mehr scheitern. An der Umsetzung gelegentlich schon.
Werbung / Empfehlungslinks: Dieser Beitrag enthält meinen WHOOP-Empfehlungslink, Amazon-Partnerlinks und Heise-Preisvergleiche. Über die Preisvergleiche kann ich eine Provision erhalten. Bei einer qualifizierten WHOOP-Empfehlung bekomme auch ich eine Gutschrift. Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen.
Das mit dem Laufen hatte sich recht schnell erledigt
Im alten Beitrag stand noch, nach der Bruchpause gehe es weiter, es jucke schon in den Füßen. In einem Kommentar schrieb ich dann, ich hätte das mit dem Laufen ganze drei Mal gemacht, bis es „autsch“ war. Rückblickend ein etwas knappes Trainingsprotokoll.
Dahinter steckte ein Ermüdungsbruch mit Anfang 30. Die Diagnose war aufwändig und zog sich hin. Dazwischen war ich mit Schmerzmitteln in Brüssel und London unterwegs. Aus dem angekündigten Weiterlaufen wurde nichts; Laufen ist seither für mich raus.
Dazu kam ein Vitamin-D-Mangel, dessen Ursache irgendwann auch gefunden wurde. Das ist allerdings eine ganz andere Geschichte. Und der Grund, weshalb ich seit meinen frühen Dreißigern einen Stamm-Urologen in Hamburg habe. Andere Leute haben in dem Alter einen Stamm-Barkeeper. Man setzt eben Prioritäten. 😉
15 Jahre Daten sind noch kein Trainingsplan
Gesundheit ist inzwischen eher mehr Thema geworden. Die Laborwerte digital beisammenzuhaben, finde ich weiterhin ausgesprochen sinnvoll. Man kann Entwicklungen über Jahre nachvollziehen, statt einzelne Zettel aus irgendwelchen Schubladen zu ziehen. Das passt zu mir: Dinge erfassen, Zusammenhänge suchen, verstehen wollen, was da eigentlich passiert.
Nur folgt aus einer hübschen Zeitreihe leider nicht automatisch eine Verhaltensänderung. Das ist vermutlich die unromantischste Erkenntnis dieser 15 Jahre. Ich kann sehr gut wissen, dass etwas eine gute Idee wäre, und es trotzdem nicht tun. Auch mit farbiger App. Der innere Schweinehund lässt sich von einer sauber gepflegten Datenbank offenbar nur begrenzt beeindrucken.
Ich habe in dieser Zeit jedenfalls diverse Fitnessstudios durch Fördermitgliedschaften unterstützt. Ein gesellschaftlich vermutlich unterschätzter Beitrag zur Finanzierung von Sportgeräten, die dann andere benutzen können.
Inzwischen bin ich über Julias Firmenmitgliedschaft bei Wellpass. Solche Angebote begegnen einem auch bei Arbeitgebern immer öfter: Bei uns gibt es ein Gesundheitsguthaben, anderswo subventionierte Mitgliedschaften. Ich finde das gut. Es macht den Zugang leichter und nimmt einem zumindest die Ausrede, erst noch einen passenden Vertrag organisieren zu müssen. Hingehen muss man allerdings weiterhin selbst. Diese letzte Schnittstelle ist erstaunlich schlecht automatisierbar.
Vom Nerd-Spielzeug zum Lifestyle-Abo
Auch die Geräte haben sich verändert. Was 2011 noch ziemlich nach Selbstvermessung für Technikbegeisterte aussah, ist inzwischen ein ausformuliertes Konsumprodukt. Apple brachte 2015 die Apple Watch auf den Markt. Fitbit übernahm 2016 Teile der Pebble-Technologie und Mitarbeitende, Google dann 2021 Fitbit. Heute kauft man nicht mehr bloß einen Schrittzähler, sondern ein Ökosystem aus Hardware, Auswertungen, Coaching und gerne einer monatlichen Rechnung.
Mit Oura ist das Ganze inzwischen beim Ring der fünften Generation angekommen. WHOOP verkauft die Idee besonders konsequent als Mitgliedschaft. Und plötzlich reden Menschen über Schlaf und Erholung, die vermutlich nie freiwillig das Wort „Quantified Self“ benutzt hätten. Das ist schon eine interessante Entwicklung. Und ich stecke ziemlich mittendrin.
Hauptsache, die Nomos darf bleiben
Ein ziemlich profaner Grund für diese displaylosen Tracker ist übrigens, dass ich meine Nomos liebe. Darüber habe ich ja neulich im Artikel über Zeitwaage und Entmagnetisieren geschrieben. Eine Smartwatch finde ich für mich deshalb blöd: Dann sitzt da die Smartwatch, und die Nomos bleibt liegen. Ich möchte aber gerade die Nomos tragen. Ein unauffälliger Tracker neben der klassischen Uhr passt für mich viel besser.
Das WHOOP hat dabei noch eine Funktion, die vermutlich nicht auf dem Datenblatt steht: Es ist ein kleines Statussymbol geworden. Mein Hausarzt spricht mich darauf an, eine Teilnehmerin beim Pubquiz ebenfalls, und überhaupt scheint dieses unscheinbare Band erstaunlich vielen Leuten aufzufallen.
Ein bisschen wie die Nomos. Dezentes Understatement, zumindest in der eigenen Wahrnehmung. Für die meisten einfach ein Armband, für andere sofort ein Gesprächsanlass. If you know, you know. Man signalisiert, dass man sich mit Gesundheit beschäftigt. Ob man deshalb schon mehr für sie tut, ist eine andere Frage.
Blutdruck: Das große Paket und die kleine Ernüchterung
Bei mir ist inzwischen auch Bluthochdruck ein Thema. Deshalb habe ich bei WHOOP gleich das große Paket genommen: Life, mit WHOOP MG und der Blutdruckfunktion. Das klang nach einer ziemlich praktischen Ergänzung. Wenn ohnehin rund um die Uhr etwas am Arm hängt, könnte es ja auch gleich das noch erledigen.
In der Praxis war ich davon enttäuscht. Es gibt nur einen Wert pro Tag, und die Werte waren mir zu ungenau. Beim genaueren Hinsehen ist allerdings schon die Bezeichnung wichtig: Blood Pressure Insights liefert eine tägliche Schätzung aus nächtlichen Sensordaten, keine Blutdruckmessung auf Knopfdruck und keine kontinuierliche Überwachung. WHOOP ordnet das ausdrücklich als Wellness-Funktion ein, nicht zur Diagnose oder Behandlung von Bluthochdruck. Für meine Blutdruckmessungen bleibt es deshalb bei einer Manschette.
OMRON zu Hause, am Handgelenk und in der Cloud
So bin ich bei OMRON gelandet. Zu Hause nutze ich den OMRON Evolv, das kompakte Oberarmgerät ohne den üblichen Schlauchsalat, außerdem eine Waage von OMRON. Erst einmal fließt alles in die OMRON-Cloud, über OMRON connect geht es dann weiter nach Apple Health. Dort endet bei mir letztlich ohnehin so ziemlich alles. Andere Menschen haben eine Kramschublade. Ich habe eine zentrale Datensenke für meinen Körper.
Für unterwegs habe ich noch einen OMRON RS6. Für mich ein ausgesprochen gutes Reisegerät: klein, am Handgelenk zu benutzen und vor allem angenehm leise. Seine Werte landen in derselben Datensenke. Wenn Ihr nach dem neueren Modell sucht: Das ist der OMRON RS7 Intelli IT. Mein persönlicher Reisebericht bezieht sich auf den RS6.
Bei Julia ist ein ähnliches Gerät einmal durch ausgelaufene Batterien ruiniert worden. Seitdem bin ich da vorsichtig und nehme lieber Akkus; bei mir funktioniert das auch. Im Reisegepäck habe ich Eneloop-AAA-Akkus – früher von Sanyo, heute von Panasonic – und ein kleines GP-Ladegerät für AA/AAA-NiMH-Akkus mit USB-C. Das ist schön leicht und mobil viel entspannter als noch ein eigenes Netzteil. Akkus sind schließlich grundsätzlich dann leer, wenn man sie gerade braucht.
Zur Einordnung meiner persönlichen Erfahrung: OMRON schreibt beim RS7 laut Handbuch ausdrücklich 1,5-Volt-AAA-Alkalibatterien vor. Dass Akkus in meinem Reisegerät funktionieren, ist also keine Herstellerfreigabe für den RS7. Und auch Eneloop sind nicht unter allen Umständen gegen Auslaufen gefeit.
WHOOP oder Fitbit Air: Müssen es 400 Euro im Jahr sein?
Nach der Ernüchterung mit der Blutdruckfunktion beschäftigt mich erst recht, ob es wirklich das große WHOOP-Paket sein muss. Deshalb trage ich aktuell neben dem WHOOP auch ein Fitbit Air. Das ist noch kein abgeschlossener Vergleich und ich habe keinen Testsieger zu verkünden. Ich möchte herausfinden, ob mir die teurere Auswertung im Alltag tatsächlich so viel zusätzlich bringt – oder ob weniger auch reicht.
Wer WHOOP und Fitbit Air genauer vergleichen möchte, findet bei Heise einen ausführlichen Test der beiden am iPhone.
Die rund 400 Euro brauchen dabei eine kleine Einordnung: WHOOP kostet nicht grundsätzlich so viel. In Deutschland liegen die jährlichen Mitgliedschaften derzeit bei 199 Euro für One, 264 Euro für Peak und 399 Euro für Life; die jeweilige Hardware gehört zum Paket. Das Fitbit Air kostet bei Google 99,99 Euro, seine Basisfunktionen lassen sich ohne Premium-Abo nutzen. Für zusätzliche Funktionen gibt es optional Google Health Premium.
Bei Oura ist die Rechnung wieder anders: Den Ring kauft man separat, für den vollen Funktionsumfang kommt die Mitgliedschaft dazu. In der EU sind das aktuell 5,99 Euro im Monat oder 69,99 Euro im Jahr. Die laufenden Kosten sind damit niedriger als bei WHOOP, die Anschaffung fällt aber zusätzlich an. „Günstiger“ hängt also auch davon ab, wie lange man das Ding nutzt und welche Funktionen man überhaupt braucht. Preisstand dieser Recherche: 3. Oktober 2026.
Falls Ihr Euch für den Ring interessiert: Hier findet Ihr den Oura Ring 5 bei Amazon (Partnerlink; die passende Größe und Farbe bitte selbst auswählen). Einen eigenen Oura-Langzeittest kann ich Euch nicht anbieten. Julia hat aber einen Oura-Empfehlungslink: Wenn Ihr den lieber nutzen möchtet, fragt uns gerne danach.
Gemini und WHOOP Coach: Jetzt reden die Daten zurück
Die nächste Schicht über all diesen Daten ist inzwischen natürlich KI. Im Fitbit-Kosmos heißt das Google Health Coach: ein auf Gemini basierender Coach in der Google-Health-App, der zu Google Health Premium gehört. Also gewissermaßen Gemini für Gesundheit und Fitness. Man kann mit ihm über seine Daten sprechen und sich Vorschläge etwa zu Training, Schlaf oder Ernährung machen lassen. Das ist auch in Deutschland verfügbar.
WHOOP hat mit dem WHOOP Coach ebenfalls eine KI, die Schlaf, Belastung und Erholung in Empfehlungen übersetzen soll. Das finde ich grundsätzlich praktisch. Eine Rückfrage stellen zu können, ist zugänglicher, als sich durch fünf Diagramme zu arbeiten. Medizinische Beratung wird daraus trotzdem nicht. Und weder Gemini noch WHOOP zieht für mich die Sportschuhe an. Jetzt habe ich also nicht nur Daten, sondern auch jemanden in der App, der mir erklären kann, warum ich trotzdem ins Gym müsste.
Was kostet eigentlich ein verlorenes Kilo?
Natürlich habe ich auch noch eine arschteure Körperanalysewaage gekauft: die Tanita RD-545HR, mit Handgriffen und segmentaler Körperanalyse. Wobei „arschteuer“ neben einem jährlich wiederkehrenden WHOOP-Abo plötzlich relativ wird. So funktioniert das offenbar: Man kauft etwas Teures und findet anschließend andere teure Dinge ganz vernünftig, weil die wenigstens nicht jedes Jahr erneut bezahlt werden wollen.
Überhaupt wäre der Preis pro abgenommenem Kilo inzwischen eine interessante Kennzahl. Tracker, Waagen, Ladegeräte und die historischen Förderbeiträge für diverse Fitnessstudios müsste man fairerweise mit einrechnen. Ich verzichte hier bewusst auf eine konkrete Zahl. Aus reinem Selbstschutz. Es wäre schließlich unangenehm, wenn das verlorene Körpergewicht beim Kilopreis langsam mit guten Lebensmitteln aus dem Feinkostladen konkurriert.
Das Absurde daran: Technisch wird immer genauer dokumentiert, was der Körper tut. Ökonomisch wäre es wahrscheinlich hilfreich, zwischendurch auch tatsächlich etwas mit ihm zu tun. Sonst optimiere ich vor allem die Ausstattung des Messlabors.
Die Geräte aus dem Beitrag im Preisvergleich
Falls Ihr selbst Preise vergleichen möchtet, findet Ihr hier OMRON Evolv, Tanita RD-545HR, Oura Ring 5 und Fitbit Air nebeneinander. Beim Oura ist es die Variante in Silber und Größe 9, beim Fitbit Air die Farbe Obsidian. Die Tabelle zeigt die Gerätepreise; die oben beschriebenen Mitgliedschaftskosten kommen gegebenenfalls dazu.
Werbung: Heise-Preisvergleich mit Partnerlinks. Über diese Links kann ich eine Provision erhalten.
WHOOP-Code 665CECE1: Mein Empfehlungslink
Wenn Ihr WHOOP selbst ausprobieren möchtet: Mein WHOOP-Code lautet 665CECE1. Am einfachsten nutzt Ihr direkt den WHOOP-Empfehlungslink für einen kostenlosen Probemonat; der Code steckt bereits im Link.
Beim Abruf führte er zu einem Monat WHOOP Peak zum Testen, inklusive eines generalüberholten WHOOP 5.0 mit kabelgebundenem Basisladegerät und neuem Armband. Das ist keine dauerhaft kostenlose Mitgliedschaft. Anschließend geht es um ein kostenpflichtiges Abo; schaut Euch die dann angezeigten Konditionen, insbesondere zur Fortsetzung oder Rückgabe nach der Testphase, bitte an. Angebote können sich ändern. Auch ich profitiere von einer qualifizierten Empfehlung.
Der Schweinehund hat kein Bluetooth
Die eigentlich spannende Frage bleibt für mich jedenfalls: Was mache ich mit dem Wissen? Welche Information hilft mir tatsächlich, etwas anders zu machen? Noch eine Kennzahl zu besitzen, kann ja schlecht das Ziel sein. Davon habe ich nach 15 Jahren langsam ausreichend. An Geräten und inzwischen sogar künstlicher Intelligenz mangelt es ebenfalls nicht.
2011 wollte ich am liebsten fünf Jahre früher angefangen haben. Heute wäre ich schon zufrieden, wenn ich weniger Energie in das Vermessen meiner guten Vorsätze und etwas mehr in ihre Umsetzung steckte. Wellpass ist da, die Daten sind da, die Geräte ohnehin. Jetzt müsste nur noch einer hingehen. Ich fürchte, das bin weiterhin ich.
Wie ist das bei Euch? Haben Euch Tracker tatsächlich zu anderen Gewohnheiten verholfen – oder wisst Ihr jetzt einfach sehr genau, was Ihr eigentlich tun solltet?
Quellen zu Geräten, Preisen und Historie: WHOOP-Mitgliedschaften, WHOOP-Empfehlungsprogramm, Fitbit Air, Oura Ring 5, Oura-Mitgliedschaft, Apple Watch 2015, Fitbit/Pebble 2016 und Google/Fitbit 2021. Titelbild: KI-generierte Symbolillustration, keine Produktfotografie.
Entdecke mehr von Küchenserver
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
